Von Michael Springer
Ratten sorgen berlinweit für Probleme. In Spandau scheint es dabei besonders gute Bedingungen für die Allesfresser zu geben. So gab es 2022 über 530 Fälle, die dem Gesundheitsamt gemeldet wurden.
Warum fühlen sich Ratten in Berlin besonders wohl?
Ratten sind Allesfresser, die eine große Vielfalt an pflanzlicher und tierischer Nahrung zu sich nehmen. Die naturnahe Pflege von Grünanlagen, Langgraswiesen und Blumenwiesen sorgt somit immer auch für „erneuerbare“ Nahrungsquellen für Ratten.
Aber auch durch die Fütterung von Vögeln und vor allem Tauben und Wasservögeln werden Ratten angelockt. Die Tierliebe von Menschen sorgt so indirekt für große Gefahren für brütende Vögel, für Eier und Jungvögel, die für Ratten besondere „Leckerbissen“ sind.
Im Garten und Kleingarten sind Ratten auch unangemeldete Gäste der Fressenäpfe von Hunden und Katzen. Deshalb sollten die Futterung von Haustieren immer unter Aufsicht erfolgen.
Hausratten (Rattus rattus) und Wanderratten (Rattus norvegicus) bevorzugen dazu Samen, Körner, Nüsse und Früchte, ergänzen den Speiseplan aber mit Insekten und anderen Kleintieren. Wanderratten beispielsweise nutzen daneben auch Vögel und deren Eier, kleine Säugetiere und andere Wirbeltiere und auch Fische als Nahrung.
Wenn sie in der Nähe des Menschen leben, finden sie ihre Nahrung häufig in Vorratslagern, auf Feldern oder im Abfall. Haus- und Wanderratten können dabei auch Stoffe wie Pelze, Seife, Papier und Bienenwachs fressen. Ferner nagen sie sich auch durch Kunststoff-Abwasserrohre und besiedeln so die Kanalisation. Mitunter werden auch Mülltonnen druchgenagt, um an Nahrungsabfälle zu kommen.
In Gartenanlagen nagen Ratten auch an Wurzeln und Knollen und durchwühlen Komposthaufen, wenn darin „Gekochtes“ und „Eierschalen“ aufgeschichtet werden. Ratten und Wanderratten nutzen auch die Gänge von Maulwürfen und wühlen sich unter Gartenlauben, weil sie hier in der Regel gute Verstecke und trockene, frostfreie Rattennester finden können.
Seuchenhygienisches Risiko und Schutz
Ratten tragen wie nahezu alle anderen Tiere auch diverse Krankheitserreger mit, die für den Menschen und für Haustiere gefährliche Krankheiten übertragen. Dazu zählen Salmonellen, Leptospiren, das Streptobacillus moniliformis und Hantaviren. Der Rattenfloh (Xenopsylla cheopis) kann durch seinen Biss auch Menschen mit dem Bakterium Yersinia pestis infizieren und die Pest verbreiten. Zecken und die Borreliose werden auch über Ratten verbreitet. Typhus (Salmonella typhi), Paratyphus, Leptospirose, Tularämie, Toxoplasmose, Trichinose, Ruhr, Cholera und Pest, aber auch von Tierseuchen wie Maul- und Klauenseuche, Schweine- und Geflügelpest können von Ratten übertragen werden.
Der Schutz vor Seuchen und die Rechtslage werden durch das Infektionsschutzgesetz und das Ordnungsrecht zur Gefahrenabwehr geregelt. Gemäß § 17 Infektionsschutzgesetz sind dafür die Landesregierungen für zuständig. In Berlin sind die bezirklichen Gesundheitsämter zuständig und sind als Meldestelle Ansprechpartner für alle Anzeigen von Rattenbefall in Berlin.
Die gesetzliche Meldepflicht tritt aber erst dann in Kraft, wenn sich mehrere Ratten auf einem privaten oder auf öffentlichen Grundstück eingenistet haben. — In jedem Fall müssen die Kosten für die Rattenbekämpfung vom jeweiligen Haus- bzw. Grundstückseigentümer übernommen werden.
Weitere Informationen:
Schädlingsbefall melden
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